Amts- und Gemeindeblätter: Das sollten Sie wissen!

Gemeindeblätter im Content Marketing nutzen
Foto: djd/Unsplash Ibrahim Rifath
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Wer an Print denkt, denkt an Zeitungen und Zeitschriften. Bei weiterem Überlegen fallen einem vielleicht noch Anzeigenblätter ein. Doch eine Printgattung haben nur wenige auf dem Radar: Amts- und Gemeindeblätter. Dabei sind auch sie für die Verbraucher-Kommunikation durchaus spannend.

Ich bin in den 1970er Jahren in einem Dorf in der Nähe von Göttingen aufgewachsen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass einmal im Monat das Gemeindeblatt bei uns im Briefkasten steckte. Es war nicht besonders hübsch. Im Grunde genommen bestand es aus 20 oben links zusammengetackerten, schwarz-weiß fotokopierten DinA4-Seiten. Und dennoch wurde dieses Blättchen nicht achtlos in den Müll geworfen.

Vielmehr erinnere ich mich, dass meine Eltern es im Laufe der kommenden Tage zur Hand nahmen und aufmerksam durchblätterten. Wegen der Öffnungszeiten der örtlichen Arztpraxen und Apotheken oder der geänderten Abholtermine der Müllabfuhr. Wegen der Veranstaltungstipps sowie der Geburts-, Konfirmations-, Hochzeits- oder Todesanzeigen im Dorf. Willkommen beim Phänomen „Gemeindeblatt“.

Was genau sind Amts- und Gemeindeblätter?

Gebietskörperschaften sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre amtlichen Bekanntmachungen zu veröffentlichen. Amts- und Gemeindeblätter sind eine Möglichkeit, dieser Verpflichtung nachzukommen. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Kommunen die Erstellung der Blätter vielfach an private Verlage und Druckereien ausgelagert. Dies führte meist zu einer inhaltlichen und optischen Professionalisierung der Amts- und Gemeindeblätter. Statt billiger Schwarz-Weiß-Kopien präsentieren sich die Blätter heutzutage in aller Regel in farbigem Hochglanz (siehe nachfolgendes Layoutbeispiel vom Breuberger Stadtanzeiger). Vielfach sind sie nicht mehr nur in Papier, sondern auch online als e-Paper abrufbar.

 Bekanntmachungsorgan der Stadt Breuberg

BreubergerStadtanzeiger Wittich Verlag

Amts- und Gemeindeblätter als Content-Marketing-Kanal?

Im Gespräch mit unseren Kunden stellen wir fest, dass Clippings in Amts- und Gemeindeblättern eher skeptisch beäugt werden. Nach dem Motto: „Sind das überhaupt relevante Publikationsmedien?“ Unsere klare Antwort: Sofern Sie an effektiver Verbraucher-Kommunikation interessiert sind, definitiv! Und dann erläutern wir ihnen, warum:

Im Laufe der letzten Jahre ist das redaktionelle Spektrum der Amts- und Gemeindeblätter immer vielseitiger geworden. Zwar dominieren nach wie vor Themen mit unmittelbarem Lokalbezug. Doch darüber hinaus finden sich zunehmend nutzwertige Verbraucher-Informationen – und genau das macht Gemeindeblätter für Sie spannend. Das können zum Beispiel Gartentipps sein, Gesundheitsthemen oder Reise-Empfehlungen.

Der Grund hierfür ist einfach: Gerade Verbraucherthemen eignen sich ideal als Anzeigenumfeld für die örtlichen Gewerbetreibenden. Und solche Werbe-Einnahmen wiederum sind ein wichtiger Baustein zur Refinanzierung der Gemeindeblätter.

Vorteile der Gemeindeblätter im Content Marketing

Für Sie als Content-Marketing-Verantwortliche sind Amts- und Gemeindeblätter als mögliches Verbraucher-Medium insbesondere aus zwei Gründen attraktiv:

Hohe Leser-Blatt-Bindung:

Das eingangs beschriebene Nutzungsverhalten meiner Eltern ist typisch, wie eine 2005 durchgeführte Studie zeigt. Danach gaben über 2/3 der Befragten an, dass Amts- und Gemeindeblätter für sie eine unverzichtbare Informationsquelle darstellen, um sich über das Geschehen in der Umgebung auf dem Laufenden zu halten (siehe Grafik). Die Erklärung liegt auf der Hand: Was aufgrund der Lokalität selbst eine örtliche Tageszeitung nicht mehr abdeckt – das Gemeindeblatt veröffentlicht es.

Und genau deshalb wird das „Blättle“ von seinen Lesern so geliebt und entsprechend aufmerksam gelesen. Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Verbraucherinformationen in einem solchen Umfeld zu platzieren, können Sie mit einer hohen Leseaufmerksamkeit rechnen.

Leseaufmerksamkeit Print Medien

Statistik Leseaufmerksamkeit Foto: djd/Quelle: Zeitungsmonitor /ZMG 2005

Hohe Haushaltsabdeckung, hohe Reichweite

Kommunale Nachrichtenblätter sind oft in 50 % bis 70 % aller Haushalte verfügbar. Damit liegt die Haushaltsabdeckung etwa doppelt so hoch wie bei einer Tageszeitung. Nur Anzeigenblätter weisen einen höheren Wert auf. Zwar beträgt die Auflage jedes einzelnen Gemeindeblatts oft nur wenige tausend Einheiten. Die zuständigen Verlage produzieren aber in aller Regel nicht nur ein Gemeindeblatt, sondern zahlreiche. Und dann kommen in Summe schnell Auflagen in fünf- bis sechsstelliger Größenordnung zustande.

Fazit

Auch wenn das kommunale Amts- und Gemeindeblatt sicherlich nicht die publizistische Strahlkraft von „normalen“ Tageszeitungen besitzt, bietet es gleichwohl eine interessante Plattform für nutzwertige Verbraucher-Informationen. Es kombiniert die Vorteile des Anzeigenblattes (hohe Haushaltsabdeckung) mit denen der Tageszeitung (hohe Leser-Blatt-Bindung).

Die hohe Haushaltsabdeckung stellt sicher, dass Ihre Botschaft den Verbraucher rein physisch erreicht. Und dank der hohen Leser-Blatt-Bindung können Sie davon ausgehen, dass diese Informationen vom Verbraucher wahrgenommen und auch gelesen werden. Falls also Ihr Content-Marketing-Artikel im „Blättle“ einer 2.000-Seelen-Gemeinde landen sollte, haben Sie durchaus Grund zur Freude: Ihnen ist damit die Veröffentlichung im Rahmen eines hochaffinen Leseumfeldes geglückt.

Dr. Enno Müller

Dr. Enno Müller

ist seit über 30 Jahren in geschäftsführenden Funktionen innerhalb der Medienbranche tätig (Online, Print und TV) mit Schwerpunkt auf den Gebieten Content und Business Development. Seit 2014 ist Enno Müller Inhaber und Geschäftsführer der djd.

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