10 Profi-Tipps vom Bildredakteur: Perfekte Fotos für Printmedien

Bildredakteur gibt Tipps für Bilder im Content Marketing
Foto: djd/Unsplash Rawpixel
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Auf was achten Bildredakteure, wenn Sie entscheiden, welche Fotos in die Zeitung kommen? Warum nicht jemanden fragen, der es wissen muss? Haben wir getan und Daniel Biscan, Bildredakteur der Main-Post, gebeten, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Aufmerksame Leser unseres Blogs wissen: Gute Bilder sind für die redaktionelle Platzierung eigener Artikel in fremden Medien (earned media) mindestens so wichtig wie ein guter Text. Da war es für uns besonders spannend, zu diesem Thema mit einem Bilderprofi zu diskutieren. Daniel Biscan muss Woche für Woche Hunderte von Bildern beurteilen und darüber entscheiden, welche davon in die Zeitung kommen. Uns interessierte vor allem, welche Tipps er hat, wenn es darum geht, Verbraucher-Themen ansprechend zu bebildern.

Die zentrale Bedeutung des Bildes

Biscan untermauert den hohen Stellenwert guten Bildmaterials anhand von interessanten Ergebnissen aus Leser-Scan-Untersuchungen. Diese belegen, dass

  • nahezu 100 % aller Leser auf das Aufmacherfoto der Titelseite schauen und
  • immerhin 70 % aller Leser sich ALLE Bilder in der Zeitung ansehen.

Und Biscan schob ein weiteres Argument nach, weshalb Kommunikations-Verantwortliche dem Bild höchste Priorität einräumen sollten: Aufgrund der Fülle an Content, die ein Redakteur täglich bewältigen muss, hat er gar nicht die Zeit, um all die Texte zu lesen. Die Beurteilung eines Bildes hingegen dauert nur wenige Sekunden. Folglich schaut der Redakteur als erstes auf das Bild. Und von dessen Qualität wird dann – oft unbewusst – auf die Qualität des zugehörigen Textes geschlossen. Ob diese Schlussfolgerung immer zutreffend ist, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist: so geschieht’s tagtäglich in den Redaktionen.

Auf unsere Frage, was für einen Bildredakteur ein ideales Bild sei, lautet Biscans Antwort: Ein gutes Bild sollte sowohl einen inhaltlichen als auch ästhetischen Anspruch erfüllen. Was das konkret bedeutet, dazu hat uns Daniel Biscan eine Reihe von Tipps gegeben, die sich in folgenden 10 Grundregeln zusammenfassen lassen:

1. Versuchen Sie, mit Ihrem Bild eine kleine Geschichte zu erzählen

Dadurch wird das Foto spannend. Allerdings Vorsicht: Das Bild muss nicht gleich die gesamte Story erzählen. Im Gegenteil: Es sollte vielmehr den Einstieg herstellen, und somit neugierig machen auf die ganze Geschichte – die man dann im Artikel lesen kann.

Fotos erzählen Geschichten

Fotos, die kleine Geschichten erzählen, sind für den Betrachter besonders spannend Foto: unsplash.com/Lukas Budimaier

2. Überfrachten Sie Ihr Bild nicht

Widerstehen Sie der Versuchung, in einem einzigen Bild zu viele Aspekte gleichzeitig zu erfassen. Das überfordert Bild und Betrachter. Letzterer weiß am Schluss gar nicht mehr, auf welche der zahlreichen Bildelemente es wirklich ankommt. Greifen Sie daher lieber einen wesentlichen Aspekt heraus und setzen diesen optimal in Szene. Alles andere erledigt dann die Bildunterschrift und der Artikeltext.

3. Bieten Sie dem Bildredakteur etwas Außergewöhnliches

Angesichts der Fülle an Bildern (und somit leider auch an schlechten Bildern), die ein Bildredakteur täglich zu sehen bekommt, ist er dankbar für jedes Foto mit dem gewissen Extra. Das muss nicht zwingend ein ganz besonderes Motiv sein. Oft reicht auch schon die ungewöhnliche Perspektive (z.B. von ganz unten oder von ganz nah) oder ein überraschender Bildausschnitt, um eine – ansonsten vielleicht eher unspektakuläre – Szene für den Bildredakteur zu einem echten Hingucker zu machen.

Besondere Perspektive wird zum Hingucker

Manchmal macht die besondere Perspektive ein Foto zum Hingucker Foto: unsplash.com/Tim Gouw

4. Authentizität geht vor Ästhetik

Oder anders ausgedrückt: Nicht handwerkliche Perfektion ist ausschlaggebend, sondern der richtige Moment. Im Extremfall kann dies bedeuten, dass ein Bild sogar leichte technische Mängel aufweisen darf (z.B. eine geringe Unschärfe),  wenn es dafür den entscheidenden Moment authentisch ablichtet.

5. Bieten Sie ein Fotomotiv möglichst nur einmal an

Eine der größten Sorgen des Bildredakteurs besteht darin, Fotos, ohne es zu bemerken, doppelt zu benutzen. Nichts ist für den Bildredakteur peinlicher als der Anruf eines aufmerksamen Lesers, der entdeckt hat, dass das Foto in der heutigen Zeitungsausgabe vor drei Wochen in anderem Zusammenhang schon einmal verwendet worden ist. Wenn also der Bildredakteur auch nur den Verdacht hat, Ihr Foto bereits genutzt zu haben, stehen die Chancen auf einen Abdruck schlecht.

6. Vorsicht bei Stockfotos

Natürlich kommt man nicht immer um gestellte Bilder aus Bilddatenbanken herum. Das weiß auch der Bildredakteur. Doch gerade dann ist es wichtig, nicht primär das ästhetisch schönstes Foto, sondern das Bild mit der höchsten Authentizität anzubieten. D.h. natürliche Menschen in normalen Posen und typischen Alltagssituationen. Aus gleichem Grund sind viele Stockfotos aus amerikanischen Datenbanken mit besonderer Vorsicht zu genießen. Sie strotzen nur so vor political correctness und passen zudem oft so gar nicht in die hiesige Lebenswirklichkeit: Sie alle kennen sicherlich diese typischen Büroszenen-Fotos, auf denen zufälligerweise stets lächelnde Kolleginnen und Kollegen mit afro-amerikanischer, chinesischer, indischer und europäischer Abstammung abgelichtet sind.

Der typische Büroalltag in Deutschland?

Sieht so der typische Alltag in deutschen Büros aus? Wohl kaum. Foto: djd/thx

7. Stellen Sie dem Bildredakteur eine geeignete Bilderauswahl zusammen

Wie oben schon erläutert, hat eine Geschichte meist mehrere Facetten. Dann ist es hilfreich, wenn Sie der Redaktion auch entsprechend unterschiedliche Motive zur Auswahl anbieten. Wenn Sie beispielsweise das Thema „Altersvorsorge“ bebildern möchten, gibt es hierfür ganz unterschiedliche Ansatzpunkte: Angefangen bei „sorgenfreies Leben im Alter“, über „Altersarmut“ bis hin zu einer Infografik mit demografischen oder finanziellen Daten. Andererseits: Schütten Sie den Bildredakteur auch nicht mit relativ beliebig wirkenden Bildern zu. Nach dem Motto: „irgendetwas Passendes wird hoffentlich schon dabei sein“. Hier gilt: Qualität geht vor Quantität, d.h. im Zweifel lieber weniger, aber dafür geeignete Fotos.

8. Bieten Sie den Zeitungen sowohl hoch- als auch querformatige Bilder an

Heutzutage gibt es einen allgemeinen Angebotsüberschuss an querformatigen Fotos. Dies hängt mit dem immer höheren Stellenwert von Online-Content zusammen – denn dort wird überwiegend mit querformatigen Bildern gearbeitet. Die Anforderungen einer Zeitung sind hingegen anders. Hier werden durchaus auch hochformatige Bilder benötigt. Indem Sie dem Bildredakteur von vornherein quer- UND hochformatiges Bildmaterial anbieten, ermöglichen Sie ihm die volle Flexibilität bei der Blattgestaltung. Das erhöht Ihre Abdruck-Chancen.

9. Achten Sie darauf, dass Ihre Bilder wirklich gut zum Text passen

Wenn Ihr Artikel beispielsweise ein bestimmtes Tourismusgebiet portraitiert, sollte diese Gegend auch auf Ihren Bildern eindeutig zu erkennen sein. Bilder von Fahrradfahrern auf einem x-beliebigen Feldweg hingegen wirken genau so: beliebig. Noch schlimmer und ein echtes No-Go ist es, wenn Ihr Bild regelrecht im Widerspruch zu Ihrem Text steht. So etwas kann schneller passieren, als man denkt. Z.B. bei Gesundheitsthemen: Während die Überschrift auf das drängende Problem hinweist (z.B. „Migräne: wenn der Tag zum Albtraum wird“), zeigt das Bild eine Situation, bei der das Problem offensichtlich bereits gut gelöst ist (z.B. eine strahlende Frau inmitten des Alltagstrubels). Eine unpassende Kombination aus Bild und Text ist für den Betrachter irritierend und kann bisweilen sogar unfreiwillig komisch sein. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer Text-Bild-Schere. Tipp: Falls sich der Bezug zwischen Bild und Text nicht sofort erschließt, lässt sich oftmals die Verbindung zwischen beiden Elementen durch eine entsprechende Überschrift herstellen.

10. Keine Chance für Werbefotos

Bilder, bei denen Ihr Produkt ohne redaktionelle Notwendigkeit im Mittelpunkt steht, ggf. sogar nachträglich ins Bild hineinmontiert wird, sind ein absolutes No-Go. Zumindest bei  Tageszeitungen oder Zeitschriften. „Das hat nichts mit einem redaktionellen Bild zu tun; dafür muss der Kunde zahlen“, so Biscan.Merken

Dr. Enno Müller

Dr. Enno Müller

ist seit über 30 Jahren in geschäftsführenden Funktionen innerhalb der Medienbranche tätig (Online, Print und TV) mit Schwerpunkt auf den Gebieten Content und Business Development. Seit 2014 ist Enno Müller Inhaber und Geschäftsführer der djd.

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